Der Nährstoffgehalt von Obst und Gemüse nimmt seit einem halben Jahrhundert ab. Kann uns das egal sein?

14.12.18
Nährstoffgehalt in Obst und Gemüse nimmt auch in Industrieländer ab

Obst- und Gemüseangebot auf einem Markt in Kampala (Uganda) aus kleinbäuerlicher Landwirtschaft. (Cotonea)

Mangelerscheinungen trotz ausreichender Versorgung mit Nahrungsmitteln? Das ist doch ein Problem der Entwicklungsländer, oder? Falsch. Auch in den Industrienationen löst der Mangel an lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen Krankheiten aus. Hauptgrund für den Rückgang ist die intensive Landwirtschaft, die zu einer extremen Verarmung der Böden durch Erosion geführt hat.

Diese Tatsache ist in den etablierten Medien merkwürdigerweise kein Thema. Dabei gibt es seit Jahren alarmierende Analysen. Beispielsweise hat der Gehalt an Vitamin A in Tomaten in den letzten Jahrzehnten um sage und schreibe 92% abgenommen (Natrium um 96%, Riboflavin um 90%, Magnesium um 88% - Bayerisches Lebensmittelministerium). Vitamin A gehört zu den Antioxidantien, die freie Radikale im Körper binden und unschädlich machen, es hilft, die Sehfähigkeit zu erhalten und spielt bei der Fortpflanzung eine wichtige Rolle, wo es viele Funktionen bei der Ei- und Spermienbildung übernimmt.

Um immer mehr zu produzieren, wird in der konventionellen Landwirtschaft entweder dichter gesät oder der Ertrag je Pflanze gesteigert, was man durch immer neue Züchtungen erreicht. Aber in der Konsequenz liefert dieselbe Menge Kartoffeln aus neuen Sorten heute weniger Spurenelemente wie Eisen, Zink und Calcium als früher. Auch hier haben Studien mit Weizen, Mais und Brokkoli nachgewiesen, dass moderne Sorten im Vergleich zu alten bzw. Hochleistungs- zu Niedrigertragssorten, signifikant weniger Nährstoffe enthalten (The Organic Center, September 2007). In der Konsequenz brauchen wir immer mehr Grundnahrungsmittel, um unseren Bedarf an Nährstoffen decken zu können – oder wir ersetzen ihn durch chemische Nahrungsergänzungsmittel.

Deshalb brauchen wir dringend einen Systemwandel – weg von der industriellen, hin zur biologischen Landwirtschaft, wo keine Sorten verwendet werden, die auf hohe Erträge gezüchtet sind. Sie wachsen langsamer und bilden so mehr Nähr- und sekundäre Pflanzenstoffe, die sie vor Schädlingen schützen. Biologisch bewirtschaftete Böden – mit hohem Humusgehalt, abgedeckt mit Pflanzenmulch und angereichert durch Dung – sind geschützt vor Erosion und binden deutlich mehr Stickstoffdioxid (CO2) als industriell bewirtschaftete Ackerböden.