Braucht die Landwirtschaft "Grüne" Gentechnik?

10.08.18
Cotonea erbringt Nachweis über ökologisch ausgebrachte Bio-Baumwollsaat

Nachweis über die ausgebrachte Menge ökologischer Baumwollsaat im Cotonea-Anbauprojekt in Uganda.

Jenseits aller Debatten um die Sicherheit der neuen „Grünen“ Gentechnik und der Frage, ob entsprechend mutierte Pflanzen gekennzeichnet werden müssen oder nicht, möchten wir die viel grundsätzlichere Frage aufwerfen, ob die Landwirtschaft diese neue Crispr-Cas9-Technik überhaupt braucht und wie abhängig sich die Bauern machen wollen.

Das neuartige Editieren der (pflanzlichen) DNA mittels Genschere, ohne – wie bisher - der DNA ein fremdes Gen hinzuzufügen, kann zweifellos sehr viele Vorteile haben, sofern tatsächlich alle Risiken ausgeschlossen werden können. Das ist bisher nicht der Fall. Davon abgesehen, sind ethische Fragen nicht beantwortet. Wir gehen zum Beispiel nicht davon aus, dass auf diese Weise mutierte Pflanzen und Saatgut frei verfüg- und vermehrbar sein werden. Bauern geraten also in eine neue Abhängigkeit von den Konzernen, die die Lizenz für dieses Verfahren erwerben.

Seit Beginn der Industrialisierung setzen die Menschen des Westens auf Fortschritt durch Technik. Über Sinn oder Unsinn einer Erfindung entscheidet der Markt. Ein wesentlicher, wenn nicht der wesentlichste Player in diesem Spiel aber ist nicht der Konsument. Es sind die Konzerne, die mit ausgeklügelten Strategien (Lobbyismus) und hohen Marketing- und PR-Budgets auch Produkte in den Markt drücken, die überflüssig sind oder deren Unbedenklichkeit nicht endgültig geklärt ist. Angesichts hoher Vorab-Investitionen in die Forschung ist der entsprechende Druck hoch – und leider logisch.

Cotonea Bio Baumwollfeld aus Anbauprojekt mit Unkraut als nützlicher Lebensraum

Ökologisch bewirtschaftetes Baumwollfeld: Unkraut bedeckt den Boden und bietet so Nützlichen Lebensraum.

Der Dachverband der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft veröffentlichte kürzlich ein Papier, mit dem er klar Position für ökologische Sorten-Züchtung bezieht. Öko-Züchter arbeiten nach dem Open Source-Prinzip, die Bauern bleiben unabhängig. Regional gezüchtete Öko-Sorten sind gut an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst (Bodenbeschaffenheit, Niederschläge, Höhenlage), kommen ohne chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel oder Kunstdünger aus, die Böden bleiben fruchtbar. Setzen sich hingegen irgendwann „Crispr-Cas9-Pflanzen“ durch, wird schon wieder die ganze Welt mit einer Einheitssorte beglückt, die sehr wahrscheinlich wieder mithilfe von Chemie an die regionalen Standortbedingungen angepasst werden muss. Die Artenvielfalt gerät noch stärker unter Druck.

Bisher ging man davon aus, dass die DNA-Mutation mittels Crispr-Cas9 billig, einfach und ungefährlich sei. Das wäre zu schön, um wahr zu sein. Die FAZ wies kürzlich darauf hin, dass „ein Schatten auf die Sicherheit und Genauigkeit der Genom-Editierung gefallen ist“. Zwei Veröffentlichungen legten nahe, dass editierte menschliche und tierische Zellen möglicherweise ein höheres Krebsrisiko haben. Eine andere Publikation habe gezeigt, dass „die Position, die die Genschere Crispr-Cas9 gezielt editiert, „oft erstaunlich gerupft“ aus dem Prozess hervorgeht“. Wer zynisch ist, könnte sagen, das habe für die Pflanzenzüchtung keine Relevanz.

Useless to say: In Cotonea-Projekten wird es auch weiterhin nur eigene ökologische Saaten geben, die weder genmanipuliert sind oder aus industrieller Produktion stammen.

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